Fachbegriff

Lutino

Lutino bezeichnet einen Farbschlag des Wellensittichs, bei dem das gesamte Melanin (schwarzer und brauner Farbstoff) genetisch unterdrückt wird, während das gelbe Pigment (Psittacofulvin) erhalten bleibt. Das Ergebnis ist ein leuchtend gelber Vogel mit roten Augen, fleischfarbenem Schnabel und rosafarbenen Beinen — ein klassischer Albinismus der gelben Reihe. Der Farbschlag entstand erstmals in den 1930er Jahren in der Hobbyzucht und ist heute weltweit verbreitet.

Bedeutung für die Haltung

Lutino-Wellensittiche sind farblich auffällig, aber genetisch und physiologisch nicht ganz pflegeleicht. Das fehlende Melanin im Auge bedeutet, dass die Iris kein Licht filtert — Lutinos sind lichtempfindlicher als wildfarbige Vögel und reagieren auf direkte Sonneneinstrahlung empfindlich. Ein Käfig auf dem Südfenster ohne Beschattungsmöglichkeit ist für Lutinos nicht geeignet. Außerdem ist die Lutino-Mutation x-chromosomal rezessiv, was bedeutet, dass Hähne und Hennen unterschiedlich vererben — für Züchter ein wichtiger Punkt. Auch in der Haltung als reines Familientier ist diese Information relevant, wenn man Nachwuchs vermeiden will, weil sich aus Mischpaaren ungewollte Erbprägungen ergeben.

Erkennungsmerkmale

Ein reiner Lutino zeigt: einheitlich leuchtend gelbes Gefieder ohne jede Wellenzeichnung, weiße bis gelb-weiße Schwingen ohne dunkle Punkte, rote Augen mit hellem Iris-Ring beim Adulttier, fleischfarbenen Schnabel mit zarter Wachshaut, rosa Beine und farblose Krallen. Die Wachshaut der Hähne wird im erwachsenen Zustand violett-pink bis hellblau, die der Hennen bleibt cremeweiß bis bräunlich und wölbt sich in der Brutzeit krustig auf — die Geschlechtsbestimmung ist also möglich, wenngleich subtiler als bei dunkleren Farbschlägen.

Eine Verwechslung droht mit dem Albino (weißer Wellensittich mit roten Augen — der ist die Lutino-Variante der blauen Reihe, also ohne jedes Pigment) und mit dem aufgehellten Gelbgesicht. Echte Lutinos haben niemals dunkle Punkte oder Streifen. Auch ein gelber Schecke wird gelegentlich mit einem Lutino verwechselt, der Schecke zeigt aber stets Restzeichnung am Kopf oder Rücken und hat dunkle Augen.

Was Halterinnen tun können

  • Käfig oder Voliere nicht in direktes Sonnenlicht stellen — ein heller, indirekt belichteter Standort ist ideal.
  • Für UV-Versorgung eine spezielle Vogellampe mit dimmbarem Tagesverlauf einsetzen, kein ungefiltertes Süd-Fensterlicht.
  • Auf Hitze achten — die hellen Lutinos zeigen Hitzestress (Hecheln, abstehende Flügel) früher als pigmentierte Tiere.
  • Bei Zucht beachten: Lutino-Hennen sind seltener als Lutino-Hähne. Verpaarung Lutino-Hahn × wildfarbene Henne ergibt 50 Prozent Lutino-Hennen und 50 Prozent spalterbige Hähne.
  • Augenkontrolle regelmäßig — Lutinos zeigen Konjunktivitis (Bindehautentzündung) etwas häufiger; Tränenfluss oder verklebte Augen ernst nehmen.
  • Bei Federverlust oder kahlen Stellen prüfen, ob ein Federbalg-Problem oder ein Vergesellschaftungsstress vorliegt — die hellen Federn machen jede Veränderung sofort sichtbar.
  • Beim Kauf den Stammbaum oder zumindest die Elterntiere erfragen, weil Lutinos aus überzüchteten Linien anfälliger für Augen- und Hautprobleme sind.

Lutinos sind nicht weniger gesund oder weniger intelligent als wildfarbige Wellensittiche. Sie brauchen lediglich etwas mehr Aufmerksamkeit bei Licht und Wärme. Ihre Lebenserwartung entspricht der eines Standardwellensittichs, also 10 bis 15 Jahre bei guter Haltung — vorausgesetzt, der Vogel stammt nicht aus einer Linie mit gehäuften Inzuchtproblemen.

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