Albino
Ein Albino-Wellensittich ist ein reinweißer Vogel mit roten oder rosa Augen, dessen Gefieder, Haut und Krallen vollständig frei von Melanin sind. Die Ursache ist eine erbliche Mutation, die jede Bildung dunkler Pigmente unterbindet. Albinos gehören zur sogenannten Inogruppe und sind genetisch betrachtet die blaue Variante des gelben Lutinos.
Bedeutung für die Haltung
Albinos sind keine eigene Tierart, sondern ein Farbschlag des gewöhnlichen Wellensittichs (Melopsittacus undulatus). Die Mutation wird X-chromosomal rezessiv vererbt. Hennen werden Albino, sobald sie das Allel tragen, weil sie nur ein X-Chromosom besitzen. Hähne dagegen müssen das Allel auf beiden X-Chromosomen tragen, um den Phänotyp zu zeigen. Die fehlende Pigmentierung im Auge führt zu erhöhter Lichtempfindlichkeit. Direkte Mittagssonne oder helle Halogenstrahler sollten vermieden werden. Eine dimmbare Vollspektrum-Vogellampe mit UV-Anteil im Abstand von rund dreißig Zentimetern ist sinnvoll. Davon abgesehen unterscheidet sich die Pflege eines Albinos nicht von der eines wildfarbigen Wellensittichs. Auch Charakter, Lernfähigkeit und Sozialverhalten sind identisch.
Erkennungsmerkmale
Das gesamte Gefieder ist schneeweiß ohne jede Wellenzeichnung auf Kopf, Nacken oder Rücken. Die Augen erscheinen rot, weil das Blut der Netzhaut durch die unpigmentierte Iris hindurchscheint. Schnabel und Wachshaut sind blassrosa bis hellgelblich, die Füße fleischfarben. Verwechslungsgefahr besteht mit dem Lutino, der jedoch leuchtend gelb ist, sowie mit dunkeläugigen Weißen, die trotz weißer Federn schwarze Augen behalten. Die Wachshaut färbt sich bei adulten Hähnen kräftig violett-rosa, bei Hennen bräunlich und im Hormonzyklus krustig. Diese Wachshautfarben sind beim Albino weniger ausgeprägt als beim wildfarbigen Vogel, weshalb die Geschlechtsbestimmung erschwert ist und im Zweifel ein DNA-Test über eine Brustfeder zuverlässige Auskunft gibt.
Praxis-Tipps
- Käfig nicht direkt am Fenster aufstellen, sondern an einem hellen, blendfreien Platz mit indirektem Licht
- Tageslichtdauer auf zehn bis zwölf Stunden begrenzen und eine dunkle Ruhephase von mindestens zehn Stunden sicherstellen
- Vollspektrumlampe mit UV-A-Anteil verwenden, da diese die Vitamin-D-Synthese unterstützt
- Bei Verpaarung beachten: Albino × Wildfarbig ergibt äußerlich wildfarbige Nachkommen, die das Albino-Allel jedoch verdeckt tragen können
- Augen regelmäßig beobachten, da unpigmentierte Augen anfälliger für Reizungen und Entzündungen sind
- Geschlechtsbestimmung über DNA-Test, da die Wachshautfärbung zur visuellen Beurteilung nicht ausreicht
- Bei Zucht regelmäßig mit nicht verwandten, pigmentierten Trägertieren einkreuzen, um Inzuchtdepression vorzubeugen
Albinos sind nicht grundsätzlich schwächer oder kränker als andere Farbschläge, allerdings gilt eine leicht reduzierte Sehschärfe als wahrscheinlich. Beobachtungen aus der Zucht zeigen, dass Albinos sich beim Freiflug etwas vorsichtiger bewegen und Hindernisse seltener ansteuern als kräftig pigmentierte Tiere. Eine reine Albino-Albino-Verpaarung über mehrere Generationen führt zu Inzuchtdepression, Immunschwäche und reduzierter Lebenserwartung. Verantwortungsvolle Züchter kreuzen daher regelmäßig mit pigmentierten Trägertieren ein. Im deutschen Tierschutzgesetz wird die Zucht auf Albinismus nicht ausdrücklich als Qualzucht eingestuft, solange keine zusätzlichen körperlichen Einschränkungen wie reduzierte Sehfähigkeit oder Bewegungsstörungen vorliegen. Wer einen Albino-Wellensittich aufnimmt, sollte ihn wie jeden anderen Vogel mindestens zu zweit halten, ihm täglich mindestens eine Stunde Freiflug gewähren und auf eine ausgewogene Ernährung aus Körnermischung, Hirse, Frischkost, Sepiaschale und Mineralstein achten. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt mit acht bis zwölf Jahren auf dem Niveau anderer Farbschläge.