Farbschlag
Als Farbschlag bezeichnet man eine erblich festgelegte Farbvariante des Wellensittichs. Aus der wildfarbigen Stammform sind durch jahrzehntelange Zuchtarbeit mehrere hundert Farbschläge entstanden, die sich in Grundfarbe, Zeichnung und Pigmentverteilung unterscheiden. International werden über dreißig Hauptmutationen mit unzähligen Kombinationen anerkannt.
Bedeutung für die Haltung
Der Farbschlag hat keinen direkten Einfluss auf Charakter, Lernfähigkeit oder Sozialverhalten des Vogels. Alle heutigen Wellensittiche stammen genetisch von der wildfarbig grünen Form ab, die in Australien beheimatet ist. Mutationen entstanden zuerst in europäischen Zuchten ab etwa 1870 und wurden seitdem systematisch verfestigt. Bei der Anschaffung sollte der Farbschlag eine untergeordnete Rolle spielen. Wichtiger sind Gesundheit, Alter und Sozialisation des Tieres. Manche extreme Farbzuchten wie sehr dunkle Anthrazit-Tiere oder bestimmte Schaufarbschläge gehen mit reduzierter Vitalität, geringerer Fruchtbarkeit oder erhöhter Sterblichkeit der Küken einher und sollten kritisch betrachtet werden.
Erkennungsmerkmale
Grundtypen der Grundfarbe sind die Eumelaninreihe mit Hellgrün, Dunkelgrün, Olivgrün, Hellblau, Kobaltblau und Mauve sowie die Inoreihe mit Lutino (gelb) und Albino (weiß). Hinzu kommt die Graureihe mit Grau und Graugrün. Über die Grundfarbe legen sich Zeichnungsvarianten: Opalin verschiebt die Wellenzeichnung auf den Rücken und lässt den Nacken frei, Spangle zeichnet die Federn mit hellem Rand, Schecken zeigen unregelmäßige weiße oder gelbe Federpartien, Lacewings haben eine zarte braune Wellenzeichnung, Zimt-Wellensittiche eine braune statt schwarze Zeichnung. Faktoren wie Dunkelfaktor und Violettfaktor modifizieren die Farbintensität weiter. Auch der sogenannte Greywing- oder Clearwing-Faktor verändert die Zeichnung der Schwungfedern. Spezielle Farbschläge wie Texas Clearbody, Yellow Face und Blackface sind weitere Beispiele für die Vielfalt der Mutationen.
Praxis-Tipps
- Geschlechtsbestimmung über die Wachshautfarbe funktioniert bei vielen Farbschlägen anders, vor allem bei Albino, Lutino, Scheck und Lacewing, wo Hähne keine kräftig blaue Wachshaut entwickeln
- Bei Zuchtabsichten einen Verpaarungsrechner online nutzen, um Farbschläge der Nachzucht vorherzusagen
- Reine Inzuchtlinien einer einzigen Mutation vermeiden, da sie zu Vitalitätsverlust führen
- Auf gesunde Proportionen achten, nicht auf besonders intensive Farbe um jeden Preis
- Standardwellensittiche und Schauwellensittiche unterscheiden sich nicht im Farbschlag, aber deutlich in Körpergröße und Gefiederfülle, eine Verpaarung beider Typen kann zu Komplikationen führen
- Beim Kauf auf gesunde, klare Augen, glattes Gefieder und aktives Verhalten achten, unabhängig von der Farbe
Manche Farbschläge sind im Handel häufig anzutreffen, etwa Hellblau, Hellgrün, Opalin und Schecke. Andere wie Anthrazit, Slate oder bestimmte Lacewing-Varianten sind seltener und entsprechend teurer. Der Preis eines Wellensittichs sollte jedoch nicht über die Farbe entschieden werden, sondern über die Qualität der Aufzucht. Vögel aus seriöser Zucht, die in einer Voliere mit Geschwistern aufwuchsen und ohne Fehlprägung verkauft werden, sind die bessere Wahl als ein knallbunter Vogel aus Massenzucht. Internationale Standards für Schauwellensittiche werden von der World Budgerigar Organisation und dem Deutschen Wellensittich-Zucht- und Schutzbund festgelegt. Sie betreffen jedoch nur Ausstellungstiere. Für die Heimtierhaltung sind robuste, nicht extrem überzüchtete Tiere klar zu bevorzugen, da sie gesünder sind, länger leben und sich agiler bewegen können. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt unabhängig vom Farbschlag bei acht bis zwölf Jahren.