Fachbegriff

Kropfmykose

Die Kropfmykose ist eine der häufigsten und gefährlichsten Erkrankungen beim Wellensittich. Auslöser ist Macrorhabdus ornithogaster, ein Hefepilz, der lange irrtümlich als Megabakterium bezeichnet wurde. Die Infektion betrifft hauptsächlich den Übergang zwischen Drüsen- und Muskelmagen, breitet sich aber auf den Kropf aus und führt zu chronischer Abmagerung trotz normaler oder sogar gesteigerter Futteraufnahme. Sie ist eine der häufigsten Todesursachen bei Wellensittichen in deutschen Hobbyhaltungen.

Bedeutung für die Haltung

Die Kropfmykose ist eine sogenannte Faktorenkrankheit. Der Erreger ist in vielen Vogelbeständen latent vorhanden, bricht aber erst aus, wenn Stress, schlechte Hygiene, Unterernährung oder andere Erkrankungen das Immunsystem schwächen. Neuzugänge können den Pilz mitbringen, ohne selbst Symptome zu zeigen — das ist der wichtigste Grund für eine konsequente Quarantäne von mindestens 4 bis 6 Wochen mit Kotuntersuchung. Auch eine Übertragung über verkeimtes Wasser oder verunreinigtes Futter ist möglich, weshalb Hygiene in der täglichen Versorgung der wichtigste präventive Hebel ist.

Verlauf

Klassisch verläuft die Erkrankung chronisch über Wochen bis Monate. Erste Hinweise sind ganze, unverdaute Hirsekörner im Kot — der Pilz blockiert die Säureproduktion im Drüsenmagen, sodass die Verdauung versagt. Es folgen Erbrechen mit schleimigem Auswurf, verklebte Kopffedern, gesteigertes Trinken, weicher bis wässriger Kot. Trotz augenscheinlich vollem Futternapf magert der Vogel ab; das Brustbein wird scharfkantig tastbar, das Körpergewicht sinkt häufig unter 28 Gramm. Im Endstadium entwickeln die Tiere Apathie, Krämpfe und versterben an Auszehrung. Manche Vögel zeigen auch eine perakute Verlaufsform mit raschem Verfall binnen weniger Tage — diese Form ist seltener, aber besonders gefährlich, weil die Diagnose oft zu spät kommt.

Diagnostisch sicher ist nur die mikroskopische Kotuntersuchung oder ein PCR-Nachweis durch eine vogelkundige Praxis. Therapeutisch wird Amphotericin B oral über mindestens 30 Tage gegeben, gleichzeitig pH-Senkung im Trinkwasser. Die Prognose ist bei früher Diagnose gut, im fortgeschrittenen Stadium eher zurückhaltend, weil der Magen dauerhaft geschädigt ist und auch nach Heilung Rückfälle möglich bleiben.

Praxis-Tipps

  • Neue Vögel mindestens 4 bis 6 Wochen in Quarantäne halten, zwei Kotproben mikroskopisch untersuchen lassen.
  • Käfig täglich vom Kot reinigen, Wasser- und Futternäpfe heiß spülen.
  • Gewicht wöchentlich kontrollieren; jeder Verlust über 10 Prozent ist ein Alarmsignal.
  • Kotprobe in einem sauberen Druckverschlussbeutel zur Praxis mitbringen, idealerweise von mehreren Tagen kombiniert.
  • Während der Therapie konsequent isoliert halten, weil ausgeschiedene Pilze andere Tiere anstecken können.
  • Stressfaktoren reduzieren: keine Vergesellschaftung, ruhiger Standort, gleichmäßiger Tageszyklus.
  • Nach abgeschlossener Therapie eine Kontroll-Kotprobe nehmen, um Rezidive frühzeitig zu erkennen.
  • Auch andere Vögel im Bestand sicherheitshalber untersuchen lassen, da der Pilz in der Voliere zirkulieren kann.

Wann zum Tierarzt?

Ganze Körner im Kot, anhaltendes Erbrechen, verklebte Kopffedern, übler Mundgeruch, Gewichtsverlust über 10 Prozent in zwei Wochen oder Apathie bei vollem Futternapf gehören innerhalb von 48 Stunden zur vogelkundigen Praxis. Ohne Therapie verläuft die Kropfmykose tödlich. Eigene Behandlungsversuche mit pflanzlichen Mitteln verschleppen den Verlauf und verschlechtern die Prognose massiv. Auch Apfelessig im Trinkwasser ersetzt keine ärztliche Diagnostik, sondern verzögert sie nur.

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