Kropf
Der Kropf ist eine sackartige Erweiterung der Speiseröhre am unteren Hals des Wellensittichs. Hier wird die aufgenommene Nahrung zwischengelagert, vorverdaut und befeuchtet, bevor sie in den Drüsen- und Muskelmagen weiterläuft. Bei Jungvögeln ist der Kropf nach dem Füttern als runde, helle Wölbung deutlich sichtbar — bei Altvögeln nur dann, wenn er stark gefüllt oder krankhaft verändert ist. Wellensittiche haben damit, anders als Säugetiere, eine zwischengeschaltete Vorratskammer, die ihnen erlaubt, in kurzer Zeit viel Nahrung aufzunehmen und sich dann in geschützte Bereiche zurückzuziehen.
Bedeutung für die Haltung
Der Kropf ist anatomisch eine Engstelle und gleichzeitig eine warme, feuchte Umgebung — also ein idealer Ort für Pilz- und Bakterienwachstum, wenn die Verdauungspassage gestört ist. Die häufigsten Erkrankungen am Kropf, allen voran die Kropfmykose durch Macrorhabdus ornithogaster, beginnen oft schleichend mit Würgebewegungen, verklebten Kopffedern oder unverdauten Körnern im Kot. Da der Kropf gut tastbar und teilweise einsehbar ist, gehört seine Beurteilung in jede regelmäßige Vogelkontrolle. Im natürlichen Schwarmverhalten füllen sich die Vögel den Kropf am Morgen und am späten Nachmittag — wer das beobachtet, lernt das normale Verdauungs-Timing seines Vogels kennen.
Funktion
Anatomisch sitzt der Kropf rechts seitlich am Hals, etwa auf Höhe des Schultergürtels. Er wird in 1 bis 2 Stunden nach einer Mahlzeit normal wieder leer. Bei brütenden Hennen produzieren spezialisierte Drüsenzellen eine fett- und proteinreiche Kropfmilch, mit der die Küken in den ersten Lebenstagen gefüttert werden. Beim Männchen dient der Kropf zusätzlich der Balzfütterung — der Hahn würgt für die Henne Kropfinhalt hervor und überträgt ihn schnabelweise. Dieses Verhalten ist nicht krankhaft, sondern Ausdruck einer engen Paarbindung und sollte nicht mit pathologischem Erbrechen verwechselt werden.
Häufige Pathologien sind Kropfentzündung (Ingluvitis), Kropfmykose, Trichomonaden, Verstopfungen durch zu trockene oder zu grobe Körner, sowie Verätzungen durch heiße Aufzuchtbreie bei handaufgezogenen Jungvögeln. Auch Fremdkörper wie verschluckte Schnurfasern oder kleine Plastikteile können den Kropfausgang blockieren und müssen endoskopisch entfernt werden.
Praxis-Tipps
- Den Kropf bei Verdacht vorsichtig tasten — er sollte sich weich und teigig anfühlen, nicht hart oder gespannt.
- Nach dem Fressen darf eine Wölbung sichtbar sein, nach 2 Stunden sollte sie abgeklungen sein.
- Verklebte Federn am Kopf, an der Wangenpartie oder Schnabelwinkel sind ein typisches Zeichen für Kropfprobleme — der Vogel erbricht und reinigt sich am Gefieder.
- Trinkwasser muss immer frisch und keimarm sein, weil verkeimtes Wasser direkt im Kropf landet.
- Bei Handaufzucht Brei nur auf 38 bis 40 Grad temperieren — höhere Temperaturen verbrühen den Kropf.
- Würgen, das nicht der Balzfütterung dient, gehört innerhalb eines Tages abgeklärt.
- Vor langem Transport oder Tierarzt-Besuch sollte der Kropf etwa zur Hälfte gefüllt sein — komplette Nüchternheit stresst, Vollfüllung kann zur Aspiration führen.
Wann zum Tierarzt?
Anhaltend gefüllter Kropf auch nach 4 Stunden Fasten, schleimiger oder blutiger Auswurf, Würgen ohne Partnerbezug, verklebte Kopffedern, übler Mundgeruch, Gewichtsverlust trotz normaler Futteraufnahme oder ganze unverdaute Körner im Kot sind klare Praxisanlässe. Eine Kropfmykose oder Trichomonadeninfektion lässt sich nur unter dem Mikroskop sichern, und beide Erkrankungen werden ohne Therapie binnen Wochen tödlich verlaufen. Auch ein deutlich asymmetrisch geschwollener Kropf oder eine sichtbare Verfärbung der Haut über dem Kropf gehört unverzüglich abgeklärt.