Jugendmauser
Die Jugendmauser ist der erste vollständige Federwechsel im Leben eines Wellensittichs. Sie findet im Alter von etwa drei bis vier Monaten statt und markiert den Übergang vom Jungvogel zum geschlechtsreifen Adulttier. Während dieser Mauser werden die ursprünglichen Babyfedern durch das endgültige Erwachsenengefieder ersetzt.
Bedeutung für die Haltung
Die Jugendmauser ist ein körperlich anspruchsvoller Prozess. Der Vogel verliert über mehrere Wochen alle Federn und bildet neue. Das verbraucht viel Energie, Eiweiß, Mineralstoffe und Vitamine. Während dieser Phase sind die Tiere oft etwas reizbarer, schläfriger und ruhebedürftiger als gewöhnlich. Sie können vermehrt picken, sich häufiger putzen oder kurze Phasen leichter Apathie zeigen. Das ist normal, sofern der Allgemeinzustand insgesamt stabil bleibt und Futteraufnahme, Trinkverhalten und Kotabsatz unauffällig sind. Auch eine leichte Gewichtsschwankung von ein bis zwei Gramm ist in dieser Phase tolerierbar.
Erkennungsmerkmale
Vor der Jugendmauser tragen Wellensittiche die typische Babystreifung mit feiner Wellenzeichnung, die bis zur Schnabelbasis und Stirn reicht. Die Stirn ist dunkel gestreift und wirkt kurz vor der Mauser fast schwarz. Die Augen sind komplett dunkel ohne Iriskreis. Die Wachshaut ist bei beiden Geschlechtern blass rosa bis lila gefärbt, was die Geschlechtsbestimmung erschwert. Nach der Jugendmauser ist die Stirn frei, also einfarbig in der Grundfarbe, die Wellenzeichnung beginnt erst hinter den Augen am Nacken. Bei vielen Farbschlägen entwickelt sich ein heller Iriskreis um die schwarze Pupille. Die Wachshaut wechselt bei Hähnen zu kräftigem Blau und bei Hennen zu zunehmend bräunlich-krustiger Färbung. Auch die Körperfedern wirken nach der Jugendmauser intensiver gefärbt, glatter und insgesamt erwachsener.
Praxis-Tipps
- Während der Mauserphase besonders proteinreiche und mineralstoffhaltige Ernährung anbieten: Keimfutter, hartgekochtes Eigelb in kleinen Mengen ein- bis zweimal pro Woche, frische Wildkräuter, Vogelmiere, Brennnessel-Samenstände
- Sepiaschale und Mineralstein zur Calciumversorgung permanent verfügbar halten
- Badehäuschen oder lauwarme Dusche aus der Sprühflasche anbieten, das erleichtert das Lösen der Federhülsen und beruhigt juckende Haut
- Ruheplätze nicht stören, auf laute Geräusche und hektische Bewegungen im Vogelzimmer verzichten
- Freiflug weiter ermöglichen, aber nicht erzwingen, der Vogel reguliert seine Aktivität selbst
- Raumtemperatur stabil bei 20 bis 22 Grad halten, da die Wärmeisolierung durch fehlende Federn vorübergehend reduziert ist
- Auf das Putzverhalten achten, übermäßiges Kratzen am Kopf kann auf Räudemilben hinweisen
- Federbalg-Pulver vermeiden, Wellensittiche regeln den Mauserprozess natürlich
- Tägliches Gewichtskontrollieren mit Küchenwaage hilft, Probleme früh zu erkennen
Wann zum Tierarzt?
Ein vogelkundiger Tierarzt sollte konsultiert werden, wenn die Mauser über mehr als drei Monate andauert, große kahle Stellen ohne nachwachsende Federn entstehen, blutige oder verbogene Federkiele sichtbar werden, das Tier sichtbar abmagert oder vor sich hin döst statt aktiv zu sein. Auch ungewöhnlich aussehende Federn mit Querstreifen, Verfärbungen, krausen Formen oder zerfaserten Spitzen können auf Stoffwechselstörungen oder Virusinfektionen wie PBFD und Polyoma hinweisen. Eine sogenannte French Moult bei Jungvögeln zeigt sich durch ausfallende Schwung- und Steuerfedern, die nicht nachwachsen, die Vögel können dann nicht mehr fliegen und sollten kontrolliert untersucht werden. Bei gesunden Tieren dauert die Jugendmauser etwa sechs bis acht Wochen und endet mit einem deutlich erwachsener wirkenden Gefieder. Eine vollständige Genesung nach der Jugendmauser ist Voraussetzung für die folgenden jährlichen Erwachsenenmausern, die meist im Spätsommer oder Herbst stattfinden und etwas kürzer ausfallen.