Mauser
Die Mauser ist der periodische Wechsel des Gefieders, bei dem alte, abgenutzte Federn ausfallen und durch neue ersetzt werden. Wellensittiche mausern in der Regel ein- bis zweimal pro Jahr in einer langsamen, gleichmäßigen Form, die als Dauermauser oder kontinuierliche Mauser bezeichnet wird — anders als viele Wildvögel ersetzen sie nicht alle Federn auf einmal, sondern abschnittsweise und über mehrere Wochen verteilt.
Bedeutung für die Haltung
Die Mauser ist energetisch eine der anstrengendsten Phasen im Vogelleben. Neue Federn bestehen zu über 90 Prozent aus Keratin, und der Vogel muss die Aminosäuren dafür über die Nahrung aufnehmen. Gleichzeitig ist die Wärmeisolation reduziert, weil immer wieder einzelne Federn fehlen. Halterinnen sollten in der Mauser auf erhöhten Eiweiß- und Mineralbedarf reagieren und unnötigen Stress vermeiden. Ein Vogel in der Mauser singt weniger, ist müder und putzt sich vermehrt — das ist normal und kein Krankheitszeichen. Auch eine gewisse Gereiztheit gegenüber Artgenossen ist in dieser Phase typisch, weil das Aufrichten neuer Federn Juckreiz verursacht.
Verlauf
Eine Mauser dauert beim Wellensittich 4 bis 6 Wochen. Sie verläuft symmetrisch — wenn rechts eine Schwungfeder fällt, fällt links die entsprechende Feder ebenfalls aus, damit die Flugfähigkeit erhalten bleibt. Im Käfig sammeln sich kleine Daunen und farbige Konturfedern auf dem Boden, die Wachshaut kann farblich blasser werden, und auf dem Kopf erscheinen Stoppelreihen sogenannter Blutkiele — frisch nachwachsende Federn, die noch von einer Hornscheide und einem durchbluteten Kern umgeben sind. Manche Vögel zeigen vorübergehend kleine kahle Stellen am Kopf, die sich binnen Tagen wieder schließen.
Junge Wellensittiche durchlaufen mit etwa 3 bis 4 Monaten die Jugendmauser, bei der die Wellenzeichnung auf der Stirn (die typischen Stirnstreifen der Küken) verschwindet und das Adulttier-Gefieder erscheint. Manche Hennen mausern um die Eiablage herum, andere zur Jahresmitte und im Spätherbst. Wildvögel sind durch den Tageslichtwechsel hormonell auf den Spätsommer geprägt, in Innenhaltung verschiebt sich der Zyklus oft, weil das Licht künstlich verlängert wird.
Praxis-Tipps
- Eiweißreiche Zusatzkost anbieten: Eifutter mit hartgekochtem Ei, Quark oder ein zweimal wöchentliches Stück Hirseaufzuchtfutter.
- Sepiaschale, Mineralstein und Grit ständig zur Verfügung stellen — Mineralbedarf ist erhöht.
- Tägliches Bad ermöglichen (flacher Untersetzer mit lauwarmem Wasser oder Sprühen mit einer feinen Pumpzerstäuberflasche), das erleichtert das Aufbrechen der Blutkiele.
- Stress vermeiden: keine Käfigumstellung, keine Vergesellschaftung, kein intensiver Freiflug mit Aufregung.
- Auf konstante Raumtemperatur (18 bis 22 Grad) und Zugluftfreiheit achten — Federverlust reduziert die Isolation.
- Blutkiele nicht anfassen — sie sind schmerzempfindlich und können bei Verletzung stark bluten.
- Eine Mauser, die länger als 8 Wochen anhält oder unsymmetrisch verläuft, gehört abgeklärt.
- Vogelmiere, Löwenzahnblätter und Karotte sind als natürliche Eiweiß- und Vitaminquelle willkommen.
- Käfigboden in der Mauser täglich von Federresten befreien — das erleichtert die Beobachtung neuer ausgefallener Federn.
Wann zum Tierarzt?
Eine Mauser, die nicht endet (Dauermauser über 8 bis 12 Wochen), kahle Stellen mit sichtbarer Haut, einseitiger Federausfall, blutige Federansätze, plötzliche starke Apathie während der Mauser oder das gleichzeitige Ausfallen aller Schwungfedern (Schreckmauser) erfordern eine Vorstellung beim Vogeltierarzt. Hinter chronischen Mauserstörungen stecken oft hormonelle Probleme, Schilddrüsenleiden, schwere Mangelernährung oder die Viruserkrankungen PBFD und Polyoma. Auch ein deutlicher Gewichtsverlust während der Mauser ist ein Warnsignal, denn ein gesunder Vogel hält in dieser Zeit sein Gewicht trotz erhöhten Energiebedarfs.