Fachbegriff

Gefiederfarben-Genetik

Die Gefiederfarbe des Wellensittichs wird von mehreren Genen gesteuert, die unabhängig voneinander mutiert sein können. Die Vererbung folgt grundsätzlich den Mendelschen Regeln, ist aber durch geschlechtsgebundene und unvollständig dominante Allele komplex. Für die gezielte Zucht eines bestimmten Farbschlags ist Grundlagenwissen unverzichtbar, um Fehlverpaarungen und gesundheitliche Probleme zu vermeiden.

Bedeutung für die Haltung

Für die reine Heimtierhaltung spielt die Farbgenetik kaum eine Rolle, denn das Wohlbefinden des Vogels hängt nicht vom Farbschlag ab. Wer jedoch zwei Tiere verpaaren möchte, sollte wissen, welche Nachkommen zu erwarten sind und ob die Verpaarung gesundheitlich problematisch ist. Manche Kombinationen wie reines Anthrazit, Lacewing-Albino oder bestimmte Spangle-Doppelfaktor-Tiere zeigen Vitalitätseinbußen oder erhöhte Sterblichkeit der Küken. Auch die Verpaarung zweier Schecken kann reduzierte Vitalität ergeben. Verantwortungsvolle Halter informieren sich vor der Verpaarung gründlich oder verzichten ganz auf Zucht, da die Welt nicht auf mehr Wellensittiche wartet, sondern eher auf Tierschutzplätze für ungewollten Nachwuchs.

Funktion

Die Grundfarbe ergibt sich aus zwei Pigmenten: dem gelben Psittacofulvin in Federmark und Schaft sowie dem dunklen Eumelanin in der Federrinde. Durch die Federstruktur entsteht zusätzlich blaues Strukturlicht. Gelbes Pigment plus blaues Streulicht ergibt grüne Federn. Fehlt das gelbe Pigment, erscheint die Feder blau. Fehlt jedes dunkle Pigment, erscheint sie gelb (Lutino) oder weiß (Albino), je nachdem ob das gelbe Psittacofulvin noch gebildet wird oder nicht. Grün ist gegenüber Blau dominant, das heißt eine grüne Henne kann das Blau-Allel verdeckt tragen und es dennoch an Nachkommen weitergeben. Der Dunkelfaktor wirkt unvollständig dominant: ein Dunkelfaktor verschiebt Hellgrün zu Dunkelgrün und Hellblau zu Kobaltblau, zwei Faktoren ergeben Olivgrün oder Mauve. Der Violettfaktor verstärkt zusätzlich die Blautöne.

Erkennungsmerkmale

Geschlechtsgebundene Mutationen wie Lutino, Albino, Opalin, Zimt und Lacewing sitzen auf dem X-Chromosom. Hennen haben nur ein X-Chromosom, sie zeigen die Mutation also schon mit einem Allel. Hähne benötigen zwei Kopien. Bei einer Verpaarung eines Lutino-Hahns mit einer Wildfarbig-Henne werden alle Töchter Lutino, alle Söhne wildfarbig mit verdecktem Lutino-Gen. Umgekehrt, bei einer Lutino-Henne und einem Wildfarbig-Hahn ohne Lutino-Träger sind alle Töchter wildfarbig, alle Söhne wildfarbig mit verdecktem Lutino-Gen. Scheckung dagegen wird autosomal vererbt, also unabhängig vom Geschlecht. Diese Unterscheidung macht den Unterschied zwischen erfolgreicher Wunschverpaarung und überraschenden Ergebnissen.

Praxis-Tipps

  • Vor jeder Zucht einen Verpaarungsrechner online nutzen, viele Vereine bieten kostenlose Tools mit Wahrscheinlichkeitsangaben
  • Aus dem Phänotyp lässt sich nicht immer der Genotyp ableiten, da Allele verdeckt vorliegen können
  • Inzucht zwischen Geschwistern, Eltern und Kindern vermeiden, da Gendefekte verstärkt werden und die Vitalität sinkt
  • Standardwellensittiche und Schauwellensittiche nicht kreuzen, die Körpergröße der Küken kann zu Legenot der Henne führen
  • Erbliche Erkrankungen wie French Moult oder Spangle-DF-Tiere lassen sich durch Vermeidung bestimmter Verpaarungen ausschließen
  • Bei Unsicherheit über die Trägerschaft eines Vogels einen DNA-Test über Brustfeder durchführen lassen

Die Bestimmung der Trägerschaft eines Vogels ist ohne Testverpaarung oder DNA-Test nicht zuverlässig möglich. Anbieter wie DNAvets oder Spezial-Labore untersuchen Federproben und bestimmen sowohl Geschlecht als auch Farbschlag-Trägerschaft sowie wichtige Erbkrankheiten. Für ambitionierte Züchter sind diese Tests sinnvoll, für Heimtierhalter überflüssig. Wer einfach zwei gesunde, nicht verwandte Wellensittiche verpaart, erhält in der Regel kräftige Küken in gemischter Farbgebung.

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