Fachbegriff

Bürzeldrüse

Die Bürzeldrüse (Glandula uropygialis) ist eine paarige Talgdrüse, die am Übergang vom Rücken zum Schwanz oberhalb der Schwanzwurzel sitzt. Sie produziert ein fett- und wachshaltiges Sekret, das der Wellensittich beim täglichen Putzen mit dem Schnabel aufnimmt und ins Gefieder einarbeitet. Der hauchdünne Fettfilm ist die zentrale Pflegekomponente des Federkleids.

Funktion

Das Bürzelfett pflegt die Federstruktur, hält die Federäste geschmeidig und sorgt für eine gewisse Wasserabweisung. Bei Wellensittichen ist die Drüse vergleichsweise klein, da die Tiere aus dem trockenen australischen Outback stammen und nicht in nassen Habitaten leben. Trotzdem spielt das Sekret eine zentrale Rolle für die Hautgesundheit und enthält Vorstufen von Vitamin D, die durch UV-B-Strahlung in aktives Vitamin D3 umgewandelt werden. Wellensittiche verteilen den Talg während des Putzverhaltens, indem sie den Kopf an der Drüse reiben und das Sekret anschließend über Brust, Rücken und Flügel verstreichen. Auch der Partnervogel hilft beim Putzen mit, vor allem an Stellen wie Hinterkopf, Nacken und Bürzelregion, die das Tier selbst nicht erreichen kann. Dieses gegenseitige Putzen festigt zudem die Paarbindung.

Erkennungsmerkmale

Die Drüse erscheint als kleine, papillenförmige Erhebung am Bürzel. Sie ist nur sichtbar, wenn man die darüberliegenden Daunen vorsichtig zur Seite schiebt. Im gesunden Zustand ist die Haut rosig, die Öffnung der Drüse klein und sauber. Verstopfungen, Schwellungen, Rötungen oder ein knubbeliger Knoten an dieser Stelle sind auffällig. Tumore der Bürzeldrüse zählen zu den häufigeren Neoplasien beim Wellensittich, vor allem bei Tieren über sechs Jahren. Ein gutartiger Adenom-Knoten wächst langsam und drückt das umgebende Gewebe weg, ein bösartiger Tumor kann sich rasch vergrößern, ulzerieren und bluten. Frühzeitige tierärztliche Begutachtung ist entscheidend für die Prognose.

Praxis-Tipps

  • Beim wöchentlichen Gesundheits-Check auch den Bürzel kurz inspizieren, ohne das Tier zu stressen
  • Die Drüse niemals ausdrücken oder manuell reinigen, das verursacht Verletzungen und Infektionen
  • Badehäuschen oder vorsichtiges Besprühen mit lauwarmem Wasser unterstützt die natürliche Pflege
  • Eine ausgewogene Ernährung mit hochwertigem Körnerfutter und täglicher Frischkost fördert die Talgproduktion und die Vitalität der Drüse
  • Vollspektrumlampe mit UV-B-Anteil unterstützt die Vitamin-D-Synthese aus dem Bürzelfett
  • Luftfeuchte im Vogelzimmer auf 50 bis 60 Prozent halten, da trockene Heizungsluft die Hautfunktion beeinträchtigt
  • Auf trockenen, brüchigen Federsaum achten, dies kann auf Mangel an essentiellen Fettsäuren hinweisen

Wann zum Tierarzt?

Eine entzündete, geschwollene oder blutige Bürzeldrüse gehört in tierärztliche Behandlung, ebenso ein tastbarer Knoten, der größer wird oder die Hautfarbe verändert. Auch wenn das Gefieder plötzlich struppig, glanzlos oder nicht mehr wasserabweisend wirkt, kann eine Funktionsstörung der Drüse vorliegen. Weitere konkrete Warnsignale sind Federpicken an der Bürzelregion, dauerhaftes Putzen einer Stelle, übel riechende oder blutige Sekrete, ein verklebter Bürzel sowie eine Veränderung der Hautfarbe von rosig zu bläulich. Bei Verdacht auf einen Tumor sollte zügig ein vogelkundiger Tierarzt aufgesucht werden, da eine frühzeitige Entfernung deutlich bessere Prognosen bietet als ein später eingreifender Eingriff. Bei jungen Vögeln unter einem Jahr sind Drüsenprobleme selten, ab dem siebten Lebensjahr nehmen sie zu. Eine regelmäßige Inspektion alle zwei Wochen reicht, um Veränderungen früh zu erkennen.

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