Fachbegriff

Voliere

Eine Voliere ist ein großzügig dimensionierter Käfig oder ein begehbarer Vogelraum, der mehreren Wellensittichen echten Flugraum, Sozialinteraktion und abwechslungsreiche Einrichtung bietet. Während ein Käfig eher als „Schlaf- und Futterstation" dient, ist die Voliere der eigentliche Lebensraum. Mindestmaße für 2 Vögel: 80 × 40 × 60 Zentimeter — empfohlen werden jedoch mindestens 150 × 80 × 180 Zentimeter, idealerweise eine begehbare Zimmervoliere oder ein eigenes Vogelzimmer.

Bedeutung für die Haltung

Wellensittiche legen in der Natur täglich kilometerweite Strecken zurück. Selbst der größte Standardkäfig ist deshalb nur eine Notlösung. Eine richtige Voliere reduziert Verhaltensstörungen wie Federrupfen, Dauerbrut, Aggression und Verfettung drastisch und kann die durchschnittliche Lebenserwartung verdoppeln. Wer die Möglichkeit hat, sollte unbedingt einer begehbaren Voliere oder einer Außenvoliere mit beheizbarem Schutzhaus den Vorzug geben — die Investition zahlt sich in Vogelgesundheit aus.

Voliere-Typen

  • Zimmervoliere klein: 100 × 60 × 150 cm — Mindestlösung für 2 bis 4 Vögel, mit täglich mehreren Stunden Freiflug
  • Zimmervoliere groß: 200 × 100 × 200 cm — begehbar, ideal für 4 bis 8 Vögel
  • Vogelzimmer: kompletter Raum (5 bis 15 Quadratmeter) vogelsicher umgebaut, mit abgeklebten Fensterscheiben, ungiftigen Pflanzen und sicherer Beleuchtung
  • Außenvoliere: ab 4 Quadratmetern Grundfläche plus angeschlossenes frostfreies Schutzhaus, ganzjährige Außenhaltung möglich
  • Gartenvoliere saisonal: Mai bis September, mit Witterungsschutz an einer Seite und Rückzugsplatz

Funktion der Einrichtung

Eine artgerechte Voliere bietet mehrere Ebenen, freie Flugbahnen zwischen Sitzbäumen, Schattenplätze, Beschäftigungsmöglichkeiten und genug Distanz, damit kein Tier dauerhaft bedrängt wird. Naturäste in verschiedenen Stärken (8 bis 25 Millimeter), eine flache Badeschale, Knabbermaterial wie Hirsekolben, Frischzweige aus Weide oder Birke und mehrere Futter- und Wasserstellen verteilt verhindern Aggression. Der Boden lässt sich am besten mit Buchenholzgranulat oder Vogelsand auslegen, damit Kot leicht zu entfernen ist. Eine Sandschale unterstützt die Krallenpflege und liefert Mineralien.

Praxis-Tipps

  • Voliere im Querformat planen — Länge wichtiger als Höhe, weil Wellensittiche horizontal fliegen
  • Gitter horizontal anordnen mit 10 bis 12 Millimeter Abstand — erlaubt Klettern und verhindert Steckenbleiben
  • Pulverbeschichteten Stahl wählen, niemals verzinkt (Zinkvergiftung möglich)
  • Mindestens drei freie Flugbahnen einplanen, damit Vögel ohne Hindernis kreisen können
  • Standort: hell, zugfrei, nicht in direkter pralle Sonne, nicht in der Küche (Teflon-Dämpfe sind lebensgefährlich, schon einmaliges Überhitzen kann tödlich sein)
  • Bei Außenvoliere doppelte Schleuse zum Verhindern des Entfliegens
  • Außenvoliere komplett mardersicher: 6 Millimeter Drahtgeflecht, eingegrabene Bodenplatte oder Betonsockel, abgedeckte Dachfläche
  • UV-durchlässige Dachplatten verwenden, transparente Polycarbonatplatten filtern UV-B teilweise
  • Sitzbäume von der Decke abhängen statt vom Boden aufstellen — bietet mehr Flugraum
  • Bei Außenvoliere immer Wettervorhersage prüfen und Notfall-Schutzhütte einplanen

Was Halterinnen tun können

Wer aus Platzgründen keine begehbare Voliere stellen kann, sollte mindestens einen Käfig von 120 Zentimetern Länge wählen und täglich 4 bis 6 Stunden Freiflug im gesicherten Zimmer ermöglichen. Fensterscheiben mit Vorhängen oder Aufklebern markieren (Vögel sehen Glas nicht und prallen dagegen), Topfpflanzen auf Giftigkeit prüfen, Kerzen, offenes Wasser, beschichtete Pfannen und Aromaöl-Diffusoren entfernen. Eine Voliere ist eine größere Investition, aber unbezahlbar für das Wohl der Tiere — und sie hält bei guter Pflege Jahrzehnte.

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