Stangenstärke
Die Stangenstärke bezeichnet den Durchmesser von Sitzstangen, auf denen Wellensittiche ruhen, schlafen und ihre Krallen abnutzen. Empfohlen wird ein Mix aus Naturästen mit Durchmessern zwischen 8 und 25 Millimetern, ergänzt durch unregelmäßige, knorrige Formen und natürliche Astgabeln. Einheitliche Plastik- oder Holzstangen mit gleichbleibendem Durchmesser, wie sie viele Käfige ab Werk mitliefern, sind aus tiermedizinischer Sicht nicht ausreichend und sollten beim Einrichten konsequent durch Naturäste ersetzt werden.
Bedeutung für die Haltung
Sitzstangen sind keine bloße Einrichtung, sondern medizinisch relevant. Auf gleichförmigen Stangen liegen die Fußballen immer auf derselben Druckstelle auf. Das führt langfristig zu schmerzhaften Fußballengeschwüren (Pododermatitis), einer der häufigsten chronischen Erkrankungen bei Wellensittichen in schlechter Haltung. Variierende Durchmesser verteilen den Druck auf wechselnde Hautstellen, fördern die Durchblutung der Sohlen und nutzen die Krallen gleichmäßig ab. Die Wahl der richtigen Stangen ist deshalb einer der wichtigsten Bausteine artgerechter Haltung.
Funktion und Auswahl geeigneter Hölzer
Geeignete Hölzer sind Apfel, Birne, Kirsche, Birke, Buche, Haselnuss, Pappel und Weide aus ungespritztem Anbau. Vor der Verwendung gründlich mit heißem Wasser abspülen, gegebenenfalls bürsten und vollständig durchtrocknen lassen. Astgabeln und knorrige Stellen sind besonders wertvoll, weil sie die Fußmuskulatur dynamisch fordern. Eukalyptus, Manzanita und Java-Holz werden im Fachhandel angeboten und sind ebenfalls unbedenklich, oft jedoch teurer als selbst gesammelte Äste aus dem eigenen Garten.
Ungeeignet und teils giftig sind Eiche (zu viel Gerbsäure), Nadelhölzer wie Kiefer oder Fichte (Harz verklebt Federn), Eibe, Goldregen, Robinie, Buchsbaum sowie alle gespritzten Obstbaumäste aus konventionellem Anbau. Plastikstangen mit Sandbeschichtung verursachen abgeschmirgelte Fußballen und sollten vollständig entfernt werden — sie verursachen Pododermatitis innerhalb weniger Monate.
Erkennungsmerkmale gesunder Füße
- Glatte, geschmeidige Fußballen ohne Rötung, Schwellung oder übermäßige Verhornung
- Vier Krallen mit weicher Krümmung, ohne übermäßiges Wachstum oder Verbiegung
- Gleichmäßiges Aufsitzen mit allen Zehen — vorne zwei, hinten zwei
- Keine sichtbaren Hautrisse, Krusten, warzige Stellen oder Blutpunkte
- Beim Sitzen wechselt der Vogel regelmäßig die Stange und steht häufig auf einem Bein, mit dem anderen unters Bauchgefieder geschoben
Praxis-Tipps
- Mindestens drei bis fünf Sitzstangen unterschiedlicher Dicke und Form anbieten
- Die dickste Stange so wählen, dass die Krallen sie nicht ganz umfassen können — etwa 20 bis 25 Millimeter Durchmesser
- Die dünnste Stange für Anflugmanöver und Zwischenstopp — etwa 8 bis 10 Millimeter
- Mindestens eine Stange im oberen Drittel des Käfigs als bevorzugten Schlafplatz
- Stangen so anordnen, dass beim Hinsetzen kein Kot auf andere Stangen, Futter- oder Wassernäpfe fällt
- Alle paar Wochen die Anordnung verändern — das hält den Schwarm geistig fit und beugt Revierverhalten vor
- Bei Befall mit Räudemilben Stangen erneuern, nicht nur reinigen, weil Milben tief im Holz überdauern
- Sitzstangen nach Befall mit Bakterien (Sichtbar an verfärbten Stellen) komplett austauschen
- Mehrere Vögel: ausreichend Stangen pro Tier, sonst Streit um die besten Plätze
Wann zum Tierarzt?
Bei sichtbarer Rötung, Schwellung, kahlen Stellen unter den Füßen, einseitigem Lahmen oder beim Hochziehen eines Beines beim Sitzen sollte unverzüglich ein vogelkundiger Tierarzt aufgesucht werden. Pododermatitis im fortgeschrittenen Stadium kann bis ins Knochenmark eindringen und ist dann oft nicht mehr vollständig heilbar — eine chronische Wunde bleibt. Frühzeitige Korrektur der Stangenstärke und gegebenenfalls antibiotische Behandlung haben dagegen sehr gute Heilungschancen, wenn der Vogel innerhalb weniger Tage nach den ersten Auffälligkeiten vorgestellt wird.