Fachbegriff

PBFD

PBFD steht für Psittacine Beak and Feather Disease und bezeichnet eine durch ein Circovirus (BFDV) verursachte, hochansteckende Federkrankheit aller Papageienarten — Wellensittiche eingeschlossen. Die Erkrankung führt zu fortschreitendem Federverlust, Deformationen von Schnabel und Krallen sowie zu einer Schwächung des Immunsystems. Eine ursächliche Heilung gibt es bis heute nicht; betroffene Vögel müssen lebenslang isoliert gehalten oder bei schwerem Verlauf erlöst werden.

Bedeutung für die Haltung

Da das Virus extrem widerstandsfähig ist (in Federstaub und Kotresten monatelang infektiös, gegen viele handelsübliche Desinfektionsmittel resistent) und über Federstaub, Sekrete, Kot, Brutkasten und kontaminiertes Zubehör übertragen wird, ist die strikte Quarantäne neu erworbener Vögel von mindestens 4 bis 6 Wochen Pflicht. Ein einziger unbemerkt infizierter Vogel kann einen ganzen Schwarm auslöschen. Vor allem Vögel von Vermehrer-Börsen oder Hobbyzuchten ohne dokumentierte Gesundheitstests gelten als Risiko. Für Halterinnen mit mehreren Tieren oder eigener Zucht ist ein PCR-Eingangstest die einzige zuverlässige Vorsicht.

Verlauf

Man unterscheidet drei klinische Verlaufsformen. Die perakute Form tritt bei Küken auf und führt binnen Tagen ohne Federsymptome zum Tod, häufig durch Knochenmarkschäden und Sepsis. Die akute Form bei jungen Vögeln führt binnen Wochen zum Verlust eines Großteils der Federn, einer auffälligen Schwäche und Wachstumsstörungen. Die chronische Form ist die typische beim Wellensittich: Bei jeder Mauser kommen weniger, deformierte, gekräuselte oder farblose Federn nach. Der Oberschnabel wird brüchig, glanzlos oder unkontrolliert lang. Die Krallen splittern. Sekundärinfektionen mit Bakterien, Megabakterien oder Aspergillus sind häufig und meist die eigentliche Todesursache, da das Immunsystem (vor allem Thymus und Bursa) nicht mehr reagiert.

Die Inkubationszeit beträgt 21 Tage bis mehrere Jahre. Manche adulte Vögel bleiben lebenslang stumme Träger und scheiden Virus aus, ohne selbst sichtbar zu erkranken. Diagnose erfolgt über PCR-Test aus Blut oder Federpulpa beim vogelkundigen Tierarzt. Die Kosten liegen meist zwischen 30 und 60 € pro Tier und sind im Verhältnis zum Risiko gering.

Praxis-Tipps

  • Quarantäne über mindestens 4 Wochen in separatem Raum mit eigenen Näpfen, Stangen und Reinigungstüchern; idealerweise mit getrennter Lüftung.
  • Bei jedem Neuzugang PCR-Test auf BFDV vor der Vergesellschaftung, auch wenn der Vogel äußerlich gesund wirkt.
  • Sichtkontakt zum Hauptbestand während der Quarantäne vermeiden, Hände vor jedem Wechsel mit Seife und ggf. Virucid waschen.
  • Hygiene: Federstaub mit feuchtem Tuch entfernen, Holz-Sitzstangen alter Vögel nicht weiterverwenden, Käfigteile nach Möglichkeit aus glattem Edelstahl oder pulverbeschichtetem Metall wählen.
  • Keine Vögel aus Beständen mit ungeklärtem Federverlust übernehmen — auch keine "günstigen Schicksalsvögel", ohne vorab den BFDV-Status zu prüfen.
  • Brut nur mit getesteten Elterntieren; bei einer einzelnen positiven Diagnose im Schwarm ist die Zucht zu beenden.

Wann zum Tierarzt?

Sofort, wenn ein Vogel — auch nach abgeschlossener Mauser — kahle Stellen am Kopf, an den Flügeln oder Schenkeln zeigt, deformierte Federn nachschiebt, einen abnormal langen, weichen oder ausbrechenden Schnabel hat oder Küken im Nest plötzlich versterben. Auch bei brüchigen Krallen, glanzlosem Gefieder oder wiederholten Sekundärinfekten ist ein PCR-Test angezeigt. Wegen der hohen Infektionsgefahr telefonisch ankündigen und in separater Transportbox in die Praxis bringen.

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