Fachbegriff

Legenot

Legenot bezeichnet die Situation, in der eine Wellensittich-Henne ein Ei nicht ausscheiden kann. Das Ei bleibt im Legedarm stecken und drückt auf Kloake, Darm und Nieren. Eine Legenot ist ein absoluter Notfall — unbehandelt führt sie binnen 12 bis 48 Stunden zum Tod. Sie zählt zu den häufigsten Notfallsituationen in vogelkundigen Praxen.

Bedeutung für die Haltung

Legenot ist eine der häufigsten Todesursachen bei Einzelhennen oder Hennen mit Nistkasten ohne kontrollierte Zuchtbedingungen. Auch unverpaarte Hennen können legen, wenn Tageslicht, Wärme und Höhlenangebot zur Brut animieren. Ein klassisches Hochrisiko-Setup ist die einzeln gehaltene Henne bei einer alleinerziehenden Halterin, die viel Zuneigung bietet und die Henne damit unbewusst stimuliert: Die Henne sieht in der Hand ihren Partner, beginnt zu legen — und gerät irgendwann in Legenot. Auch das Anbieten von dunklen Hohlräumen, Schlafhäuschen oder ständigem Höhlenmaterial wirkt brutauslösend und sollte konsequent vermieden werden.

Verlauf

Typische Symptome sind: starkes Pressen mit aufgesetztem Schwanz, aufgeplustertes Gefieder, Sitzen auf dem Käfigboden statt auf der Stange, sichtbar geschwollener Bauch, Atemnot durch Druck auf die Luftsäcke, Apathie. Manche Hennen versuchen vergeblich, Kot abzusetzen, weil das Ei den Darm komprimiert. Im fortgeschrittenen Stadium kommt es zu Lähmungen der Beine, weil das Ei auf den Ischiasnerv drückt. Die Atmung wird flach, der Vogel verliert zunehmend die Fähigkeit, sich aufrecht zu halten.

Ursachen sind Kalziummangel (weiche Eischale, die nicht greift), Übergewicht, junge oder erstgebärende Hennen, schwere Tumoren, ein zu großes Ei oder zwei gleichzeitig wandernde Eier. Auch Stress, Kälte oder ein plötzlicher Standortwechsel können die Eilegung blockieren. Hennen, die bereits mehrere Bruten hinter sich haben, sind durch die kumulative Kalziumverarmung besonders gefährdet.

Was Halterinnen tun können

  • Bei Verdacht sofort den Käfig in einen warmen, ruhigen Raum stellen (28 bis 32 Grad) und eine Rotlichtlampe in 50 cm Abstand anbringen — Wärme entspannt die Legemuskulatur.
  • Trinkwasser mit etwas Kalzium (Sepia-geriebenes Wasser) anbieten, kein Zwangsfüttern.
  • Niemals selbst versuchen, das Ei zu manipulieren — ein Eischalenbruch im Bauch führt zur tödlichen Bauchfellentzündung.
  • Sofort, also binnen weniger Stunden, in einer vogelkundigen Praxis vorstellen.
  • Präventiv: keine Nistkästen anbieten, keine Höhlen-Ersatzstrukturen (Schubladen, Kartons) zugänglich machen, Tageslicht im Winter nicht künstlich auf über 10 Stunden verlängern, ausreichend Kalzium über Sepiaschale und Mineralstein anbieten.
  • Hennen mit Dauerlege-Tendenz dürfen nicht alleine gehalten werden — andere Hennen oder ein Hahn ohne Nistkasten regulieren das Verhalten.
  • Bei einer Henne mit chronischer Dauerbrut frühzeitig hormonelle Behandlungsmöglichkeiten in der vogelkundigen Praxis besprechen — ein Implantat kann die Eiproduktion über Monate unterdrücken und Leben retten.
  • Transport zur Praxis in einer kleinen, gut gepolsterten Box, nicht im großen Käfig — die Henne darf nicht stürzen.

Wann zum Tierarzt?

Sobald eine Henne presst, am Boden sitzt, einen sichtbar geschwollenen Bauch hat oder beide Beine lahmt, ist der Gang in die vogelkundige Praxis ein Notfall. Die Tierärztin gibt Kalzium und Oxytocin (Kontraktionsförderung), in schweren Fällen wird das Ei unter Inhalationsnarkose punktiert und manuell entfernt. Je früher behandelt wird, desto höher die Überlebenschance — nach 24 Stunden Pressen sinkt die Prognose drastisch. Auch eine Henne, die nach erfolgreicher Eiablage weiter apathisch wirkt, gehört untersucht, weil Folgeschäden wie Eileiterentzündungen häufig sind.

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