Kloake
Die Kloake ist die gemeinsame äußere Öffnung für Verdauungs-, Harn- und Geschlechtssystem bei Vögeln. Sie sitzt am Hinterleib unterhalb der Schwanzwurzel und wird bei gesunden Tieren von kleinen, sauberen Federn umgeben. Über die Kloake werden Kot, Urin und Urate, Eier sowie bei der Paarung Spermien ausgeschieden.
Funktion
Anatomisch unterteilt sich die Kloake in drei Abschnitte. Das Koprodäum nimmt den Kot aus dem Enddarm auf. Das Urodäum sammelt Urin und Urate aus den Harnleitern sowie das Ei aus dem Eileiter bei der Henne. Das Proktodäum bildet den eigentlichen Ausgang. Beim Vogel werden Kot und Harn nicht getrennt ausgeschieden, sondern gemeinsam. Der schwarze oder grünliche Anteil ist Kot, der weiße Anteil sind Urate, die kristalline Form der Harnsäure, und der wässrige Anteil ist der eigentliche Urin. Eine klare Trennung dieser Bestandteile im Kotabsatz ist ein Hinweis auf eine gesunde Verdauung. Bei der Paarung pressen sich Hahn und Henne kurz mit ihren Kloaken gegeneinander, der sogenannte Kloakenkuss überträgt das Sperma. Ein eigener Penis fehlt beim Wellensittich.
Erkennungsmerkmale
Eine gesunde Kloake erscheint trocken, sauber und ist von rosig-blasser Haut umgeben. Die umgebenden Federn sollten nicht verklebt sein. Bei einer Henne sind während der Eiablage vorübergehende Verdickungen und Rötungen normal. Krankhaft sind dagegen anhaltende Rötung, Verklebung, blutige Spuren, ein Vorfall (eine kleine, rötliche Wölbung, die aus der Kloake heraussteht), übler Geruch, Kotanhaftungen oder ständiges Wischen mit der Kloake am Sitzast. Auch eine verfärbte oder bläuliche Kloakenhaut ist ein Warnsignal. Bei Hähnen ist die Wachshaut normalerweise blau, bei einer hormonellen Imbalanz kann sie sich braun verfärben.
Praxis-Tipps
- Beim wöchentlichen Gesundheits-Check die Kloakenregion mitprüfen, ohne das Tier zu stressen
- Verklebten Kot vorsichtig mit lauwarmem Wasser aufweichen, niemals trocken abreißen, das verletzt die empfindliche Haut
- Sauberes Käfigsubstrat einstreuen, regelmäßig wechseln und die Sitzstangen sauber halten, da Kotreste auf den Stangen Kloakenentzündungen begünstigen
- Eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Ballaststoffen aus Frischkost und Wildkräutern fördert eine gute Kotbeschaffenheit
- Bei Hennen während Eiablage zusätzliche Calciumquellen anbieten, da Calciummangel zu Legenot und Kloakenproblemen führt
- Bei mehrfach hintereinander absetzendem dünnen Kot Wasserzufuhr und Futter überprüfen
- Kotbeschaffenheit täglich kurz prüfen, sie ist einer der wichtigsten Gesundheitsindikatoren
Wann zum Tierarzt?
Eine entzündete, geschwollene, blutige oder vorgefallene Kloake ist ein tierärztlicher Notfall. Konkrete Warnsignale sind dauerhaft verklebter Bereich um die Kloake, sichtbar nach außen tretendes Gewebe, blutiger Kot oder blutige Urate, übler Geruch und sehr starkes Pressen ohne Kotabsatz. Auch Kloakenprolapse, bei denen das Eileitergewebe einer Henne nach außen tritt, müssen innerhalb weniger Stunden behandelt werden, da das Gewebe sonst austrocknet und abstirbt. Häufige Ursachen sind Legenot, anhaltender Durchfall, parasitärer Befall, bakterielle Infektionen, Tumore oder eine generelle Schwächung des Tieres. Der Tierarzt führt eine Kloakenuntersuchung mit Otoskop oder Endoskop durch, kann Abstriche entnehmen und bei einem Vorfall das Gewebe reponieren und gegebenenfalls mit Tabaksbeutelnaht fixieren. Eine schnelle Behandlung rettet in den meisten Fällen das Leben des Vogels. Auch wiederkehrende Kloakenprobleme sollten gründlich abgeklärt werden, da sie auf chronische Erkrankungen wie Tumore, Mykosen oder Eileiterentzündungen hinweisen können.