Fachbegriff

Hirse

Hirse ist die wichtigste Komponente jeder Wellensittich-Körnermischung. Die kleinen, runden, leicht verdaulichen Samen liefern Kohlenhydrate, Pflanzeneiweiß, Mineralstoffe und Spurenelemente. In freier Wildbahn ernähren sich Wellensittiche überwiegend von halbreifen Grassamen, was den Hirsesorten in Größe und Nährstoffprofil sehr nahekommt.

Bedeutung für die Haltung

Eine Körnermischung für Wellensittiche besteht typischerweise zu 50 bis 70 Prozent aus verschiedenen Hirsen, ergänzt durch Glanz (Spitzsaat), Hafer, Buchweizen, Niger, Leinsamen, Sesam und kleinen Anteilen ölhaltiger Samen wie Sonnenblumenkernen oder Hanf. Die einzelnen Hirsesorten unterscheiden sich in Größe, Härte, Farbe und Nährwert. Eine ausgewogene Mischung deckt den Energiebedarf eines gesunden Adultvogels von etwa 1,5 bis 2 Gramm Trockenfutter pro Tag ab. Bei aktiven Vögeln mit ausreichend Freiflug darf etwas mehr gefüttert werden, bei bewegungsarmen Tieren reduzieren, um Verfettung vorzubeugen.

Erkennungsmerkmale

Wichtige Sorten sind Silberhirse, die kleine helle Körner liefert und besonders gut verdaulich ist, Senegalhirse mit besonders kleinen, glatten Samen, die Wellensittiche bevorzugen, Mannahirse mit etwas größeren, gelblichen Körnern, Rote Plata-Hirse mit warmen Rottönen und höherem Mineralgehalt, sowie japanische Hirse mit höherem Eiweißanteil. Kolbenhirse wird meist nicht ausgerebbelt verkauft, sondern als ganzer Fruchtstand am Stiel. Sie ist ein beliebter Leckerbissen, aber sehr energiereich und sollte nur in Maßen gefüttert werden. Die Farbe der Körner zwischen hellgelb, rotbraun und beige ist optisch attraktiv, hat aber keine eigenständige Bedeutung für den Nährwert.

Praxis-Tipps

  • Tägliche Ration etwa ein gehäufter Teelöffel pro Vogel, das entspricht 1,5 bis 2 Gramm
  • Spelzen im Napf täglich entfernen, da Wellensittiche die Körner schälen und nur das Korn fressen, die leeren Hülsen bleiben oben liegen und erwecken den falschen Eindruck eines vollen Napfs
  • Frische der Mischung durch Keimprobe testen: kleine Menge auf feuchter Watte legen, wenn nach drei Tagen weniger als 70 Prozent keimen, ist das Futter alt oder erhitzt und sollte ersetzt werden
  • Kolbenhirse als Leckerli zwei- bis dreimal pro Woche reichen, nicht täglich, da sie sehr energiereich ist
  • Mehrere Sorten kombinieren, Vögel wählen sonst nur die Lieblingssorten und vernachlässigen andere Nährstoffe
  • Hirse in dunklen, trockenen Vorratsgefäßen kühl lagern, Vorrat innerhalb eines halben Jahres aufbrauchen
  • Verschimmelte oder muffig riechende Mischungen sofort entsorgen, da Schimmelpilze wie Aspergillus tödliche Lungenpilze verursachen können
  • Beim Mischen verschiedener Sorten die Vorlieben der eigenen Vögel berücksichtigen, ohne nur Lieblingssorten anzubieten

Reine Körnermischungen reichen jedoch nicht aus, um einen Wellensittich gesund zu erhalten. Sie sind arm an Vitamin A, Calcium, Jod und einigen essentiellen Aminosäuren. Ergänzungen sind unverzichtbar: täglich Frischkost wie Möhre, Paprika, Vogelmiere oder Petersilie, Sepiaschale und Mineralstein für Calcium, gelegentlich Keimfutter aus eingeweichten Körnern sowie hochwertige Vitaminpräparate in Maßen. Ein häufiger Fehler ist die ausschließliche Fütterung von Kolbenhirse, weil die Vögel sie besonders gerne fressen. Das führt zu einseitiger Ernährung, Verfettung und Mangelerscheinungen. Pellets können eine Alternative oder Ergänzung sein, sind in der deutschen Wellensittich-Haltung aber wenig verbreitet und werden von vielen Tieren nur zögerlich angenommen. Eine gut zusammengestellte Körnermischung aus dem Fachhandel oder direkt vom Mühlenbetrieb mit Kennzeichnung der Mischungsanteile ist die solide Grundlage einer artgerechten Ernährung.

Mehr zum Thema

Verwandte Begriffe

Wellensittich-Newsletter

Einmal im Monat: neue Ratgeber, Krankheitsbilder, saisonale Tipps.

Mit der Anmeldung stimmst du der Datenschutzerklärung zu. Jederzeit abbestellbar.