Haltungs-Verbote
Bestimmte Haltungsformen sind beim Wellensittich entweder gesetzlich verboten oder als tierschutzwidrig anerkannt. Sie gefährden die Gesundheit und das Wohlbefinden der Tiere und sollten konsequent vermieden werden. Maßgeblich ist das deutsche Tierschutzgesetz mit seinen Ergänzungen in den Sachverständigengutachten zur Mindestanforderung an die Haltung von Papageien und Sittichen.
Bedeutung für die Haltung
Wellensittiche sind hochsoziale Schwarmvögel aus dem australischen Outback. Sie leben in der Natur in Gruppen von dutzenden bis tausenden Tieren, fliegen weite Strecken und benötigen Kontakt zu Artgenossen. Eine artgerechte Haltung berücksichtigt diese Bedürfnisse. Verstöße gegen Mindeststandards können nach Paragraf 17 Tierschutzgesetz mit Geldstrafen oder im schweren Fall mit Freiheitsstrafe geahndet werden. Veterinärämter können Tiere bei massiven Verstößen beschlagnahmen und Haltungsverbote aussprechen. Die einschlägigen Mindestanforderungen sind seit 1995 bundesweit gültig und wurden 2013 aktualisiert.
Erkennungsmerkmale
Klar verbotene oder als tierschutzwidrig geltende Haltungsformen sind: Einzelhaltung eines Wellensittichs ohne Artgenossen, da Paragraf 2 Tierschutzgesetz die Berücksichtigung arteigener Bedürfnisse vorschreibt und der Schwarmcharakter wissenschaftlich belegt ist. Rundkäfige ohne Ecken, da Vögel sich nicht orientieren und nicht zurückziehen können. Käfige unter dem Mindestmaß von 80 mal 40 mal 60 Zentimetern für ein Paar. Sitzstangen aus glattem Kunststoff in Einheitsdicke, die Druckstellen und Pododermatitis verursachen. Käfige mit Sandpapierüberzug auf Sitzstangen, die die Hornhaut der Füße abscheuern. Haltung im fensterlosen Raum ohne natürliches Tageslicht oder Vogellampe. Daueraufenthalt in der Küche, wo Pfannendämpfe, Räuchergase und PTFE-Beschichtungen tödlich wirken können. Freie Haltung mit Hund, Katze oder Frettchen ohne Aufsicht. Ständige Anwesenheit von Zigarettenrauch, Räucherstäbchen oder Aerosolen.
Was Halterinnen tun können
- Bei der Anschaffung von Anfang an mindestens zwei Tiere kaufen, idealerweise ein gemischtes Paar oder eine gleichgeschlechtliche Gruppe
- Rechteckigen Käfig wählen, der Mindestmaße überschreitet, besser ist eine Voliere ab 100 mal 50 mal 80 Zentimetern
- Sitzstangen aus Naturzweigen unterschiedlicher Dicke von 1 bis 2,5 Zentimeter Durchmesser verwenden
- Standort: heller Raum mit Tageslicht, blendfrei, zugfrei, 18 bis 22 Grad Celsius, abseits der Küche und stark frequentierter Verkehrsbereiche
- Vollspektrum-Vogellampe mit UV-Anteil und Tagesrhythmus von 10 bis 12 Stunden installieren
- Täglich mindestens eine Stunde Freiflug im vogelsicheren Zimmer ermöglichen
- Andere Haustiere konsequent vom Käfig und Freiflug fernhalten
- Rauchen, Räucherstäbchen, Duftkerzen und Aerosole im Vogelzimmer komplett unterlassen
- Bei Unsicherheit über die rechtliche Lage Veterinäramt oder Wellensittich-Vereine als Informationsquelle nutzen
Die Vorschriften zur Wellensittichhaltung sind in den Sachverständigengutachten des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft sowie in den Mindestanforderungen der Tierschutzorganisationen festgehalten. Sie bilden die Grundlage für tierärztliche Begutachtung und Veterinäramt-Kontrollen. Wer ältere Bestandstiere aus tierschutzwidriger Haltung übernimmt, sollte schrittweise an artgerechte Bedingungen heranführen: Vergesellschaftung mit verträglichem Artgenossen, größerer Käfig, verlängerter Freiflug, ausgewogene Ernährung. Der gesundheitliche Zustand bessert sich meist innerhalb weniger Monate sichtbar. Die Beratung durch erfahrene Vereine wie den Wellensittich- und Sittichfreunde Deutschland oder den Berufsverband praktizierender Tierärzte hilft bei Unsicherheiten und individuellen Fragestellungen. Auch öffentlich zugängliche Sachverständigengutachten lassen sich über das Bundeslandwirtschaftsministerium online abrufen und dienen als verbindliche Orientierungshilfe für Halter, Tierschützer und Behörden gleichermaßen. Wer plant, mehrere Vögel zu halten, sollte den verfügbaren Raum realistisch einschätzen und nicht aus Mitleid mit Einzelvögeln immer mehr Tiere anschaffen.