Fachbegriff

Grit

Als Grit bezeichnet man Magenkiesel, also kleine mineralische Körnchen, die der Vogel aufnimmt und im Muskelmagen zum Zerkleinern harter Körner einsetzt. Wellensittiche benötigen jedoch eine besondere Form: sehr feiner Vogelsand oder Magengrit reicht aus. Gröberer Grit, wie er für Hühner oder Tauben verkauft wird, ist für Wellensittiche ungeeignet und potenziell gefährlich.

Bedeutung für die Haltung

Wellensittiche schälen ihre Körner vor dem Schlucken, sodass die enthaltene Stärke und der Eiweißanteil weitgehend ohne mechanische Zerkleinerung verdaut werden können. Anders als hühnerartige Vögel, die Körner ungeschält schlucken und auf Magensteine angewiesen sind, kommt der Muskelmagen des Wellensittichs auch ohne grobes Mahlmaterial aus. Trotzdem nimmt er kleine mineralische Partikel auf, die einen Beitrag zur Verdauung und vor allem zur Mineralstoffversorgung leisten. Calciumhaltiger Vogelsand mit Anteilen von Muschelbruch, Sepiastücken und Kalkstein ist daher eine sinnvolle Ergänzung der Ernährung und gleichzeitig ein hygienisches Bodensubstrat.

Erkennungsmerkmale

Geeigneter Vogelsand für Wellensittiche besteht aus feinem Quarzsand mit einer Körnung von etwa 0,5 bis 1,5 Millimetern. Er enthält oft beigemischte Anisstücke, Muschelschalenbruch und Sepia. Klassischer Hühnergrit mit Körnungen über drei Millimeter ist zu grob und kann den Kropf oder den Verdauungstrakt verstopfen. Auch Aquariumkies oder Sand aus dem Baumarkt sind ungeeignet, da sie scharfkantig sind, Salze enthalten oder mit Beschichtungen behandelt wurden. Beim Kauf auf ausdrückliche Kennzeichnung als Vogelsand achten und im Zoofachhandel oder bei spezialisierten Onlineshops erwerben. Eine gute Qualität ist staubarm, gleichmäßig gefärbt und riecht angenehm nach Anis.

Praxis-Tipps

  • Vogelsand stets in einem flachen Napf oder direkt auf dem Käfigboden anbieten, niemals als Zwangsfütterung verabreichen
  • Sand regelmäßig wechseln und säubern, mindestens einmal pro Woche, bei stark verschmutzten Bereichen häufiger
  • Verschimmelten oder verklebten Sand sofort entfernen, da Pilze schwere Atemwegserkrankungen verursachen können
  • Käfigboden komplett mit Vogelsand oder mit Buchenholzgranulat einstreuen, Sand auf Untersetzer wirkt zudem als Polster für die Krallen und reduziert Pododermatitis-Risiko
  • Gröberer Hühnergrit im Tierhandel kann mit Wellensittich-Sand verwechselt werden, vor dem Kauf Packung sorgfältig prüfen
  • Sepiaschale und Mineralstein zusätzlich anbieten, sie ergänzen die Calciumversorgung deutlich besser als Sand allein
  • Bei plötzlich erhöhtem Sandkonsum prüfen, ob ein Mineralstoffdefizit, eine Erkrankung oder ein Calciummangel bei einer brütigen Henne vorliegt
  • Kein Sand- oder Gritpapier auf Sitzstangen verwenden, da es die Sohlenhaut der Füße verletzt

Wann zum Tierarzt?

Eine Überaufnahme von grobem Grit kann zu einer Kropfverstopfung oder Magenüberladung führen, die als sogenannte Grit-Impaktion bekannt ist. Konkrete Warnsignale sind ein deutlich aufgeplusterter Vogel, hängender oder geblähter Bauch, sichtbar gefüllter Kropf, der nicht abnimmt, Würgen ohne Erbrechen, Apathie, fehlender Kotabsatz oder krümeliger, sandiger Kot. In solchen Fällen muss umgehend ein vogelkundiger Tierarzt aufgesucht werden, da eine Impaktion ohne Behandlung tödlich verläuft. Der Tierarzt erkennt sie auf einem Röntgenbild und kann sie meist durch Spülung des Kropfes oder operative Entleerung beheben. Da Wellensittiche mit dem richtigen Sand keinen klassischen Grit benötigen, ist das Risiko bei artgerechter Versorgung sehr gering. Wer hochwertigen Vogelsand verwendet und gleichzeitig Sepiaschale und Mineralstein anbietet, deckt den mineralischen Bedarf vollständig ab und vermeidet Gefahren durch zu grobe Partikel.

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