Geschlechtsbestimmung
Die Geschlechtsbestimmung beim Wellensittich erfolgt vorrangig über die Farbe der Wachshaut, also der weichen Hautpartie über dem Schnabel. Bei adulten Tieren ab etwa vier Monaten ist sie meist zuverlässig möglich, bei Jungvögeln oder bestimmten Farbschlägen jedoch erschwert und nur per DNA-Test eindeutig.
Bedeutung für die Haltung
Das Geschlecht hat keinen Einfluss auf die Eignung als Heimtier, alle Wellensittiche sind sozial und lernfähig. Für die Vergesellschaftung sollte man jedoch wissen, welches Geschlecht ein Vogel hat. Zwei Hähne vertragen sich oft hervorragend, zwei Hennen häufiger schlecht, da Hennen reviertreuer und durchsetzungsstärker sind und schnell um die beste Nisthöhle konkurrieren. Ein gemischtes Paar muss gegen ungewollten Nachwuchs geschützt werden, indem kein Nistkasten angeboten wird, dunkle Höhlen verschlossen werden und die Tageslichtdauer kontrolliert wird. Bei Zuchtabsichten ist die Geschlechtsbestimmung selbstverständlich Voraussetzung, da sonst die Verpaarung scheitert oder unerwünschte Inzucht entsteht.
Erkennungsmerkmale
Bei einem adulten Hahn ist die Wachshaut kräftig blau, glatt und glänzend, im Albinotyp oder bei Lutinos jedoch rosa bis violett. Bei einer adulten Henne wirkt die Wachshaut zunächst blasshellblau bis weißlich, verdickt sich im Hormonzyklus und wird braun bis dunkelbraun, oft mit krustiger, blättriger Oberfläche. Außerhalb der Brutbereitschaft hellt sie wieder zu blasrosa auf. Bei Jungvögeln unter drei bis vier Monaten ist die Unterscheidung schwierig, da die Wachshaut beider Geschlechter rosa bis hellviolett wirkt. Erst mit der Jugendmauser entwickelt sich die geschlechtstypische Färbung. Bei bestimmten Farbschlägen wie Albino, Lutino, Lacewing, Recessive Pied und Dunkeläugigen Weißen behalten Hähne lebenslang eine rosa Wachshaut, die nicht typisch blau wird. Hier hilft nur ein DNA-Test oder Beobachtung des Brutverhaltens über längere Zeit.
Praxis-Tipps
- Verlässliche Wachshautbeurteilung erst ab vier bis sechs Monaten möglich
- Bei Albino, Lutino und Lacewing-Farbschlägen DNA-Test über Feder oder Blut nutzen, Anbieter wie DNAvets oder Animal Genetics liefern Ergebnisse in ein bis zwei Wochen
- Verhaltensmerkmale ergänzen die optische Beurteilung: Hähne singen länger und melodischer, kopulieren auf erhöhten Sitzstangen, füttern Hennen aus dem Kropf und zeigen das typische Kopfnicken bei der Balz; Hennen knabbern Holz, beanspruchen Höhlen und sind oft lauter beim Verteidigen ihres Reviers
- Bei der Anschaffung Geschlechtsangabe des Verkäufers nicht blind übernehmen, sondern selbst überprüfen
- Bei eindeutigen Hähnen ist die Wachshautfarbe nahezu uniformes Mittelblau, bei eindeutigen Hennen zeigt sich oft schon im jungen Adultstadium ein bläulich-weißer Ring um die Nasenlöcher
- DNA-Test ist auch dann sinnvoll, wenn ein Vogel als Henne deklariert wird, weil viele Halter eine sichere Antwort über zukünftige Verpaarungen brauchen
Beim DNA-Test wird eine Brustfeder mit intaktem Federkiel oder ein Tropfen Blut eingeschickt. Die Geschlechtschromosomen Z und W werden im Labor analysiert. Hähne tragen ZZ, Hennen ZW. Das Ergebnis ist zu nahezu 100 Prozent sicher und kostet etwa 20 bis 40 Euro pro Tier. Der Test erlaubt zudem die Bestimmung von Polyoma- und PBFD-Trägerschaft im selben Probenmaterial, was bei Bestandseinkäufen besonders wertvoll ist. Eine plötzliche Veränderung der Wachshautfarbe bei einem ausgewachsenen Hahn von Blau zu Braun kann auf einen hormonell aktiven Hodentumor hinweisen und sollte unbedingt tierärztlich abgeklärt werden. Bei Hennen wechselt die Farbe der Wachshaut mit dem Hormonzyklus, ein Wechsel zwischen blass und braun ist also normal und kein Anlass zur Sorge.