Frischkost
Frischkost umfasst alle frischen pflanzlichen Bestandteile der Wellensittichernährung: Obst, Gemüse, Kräuter, Wildpflanzen, Keimlinge und gelegentlich Knospen oder essbare Blüten. Sie liefert Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe und Wasser, die in Trockenfutter kaum oder gar nicht enthalten sind. Frischkost sollte täglich angeboten werden und etwa 30 Prozent der Tagesration ausmachen.
Bedeutung für die Haltung
Wildlebende Wellensittiche fressen je nach Jahreszeit Sämereien, halbreife Grassamen, Knospen, Blattgrün und Wildpflanzen. Sie sind also keine reinen Körnerfresser, sondern Pflanzenfresser mit breitem Spektrum. Eine Ernährung ausschließlich aus Körnermischung führt langfristig zu Vitamin-A-Mangel, Verfettung der Leber, Federproblemen, gestörter Immunabwehr und reduzierter Lebenserwartung. Frischkost gleicht diese Defizite aus, fördert die Verdauung und beschäftigt die Vögel beim Zerlegen. Vor allem dunkelgrünes Blattgemüse und intensiv farbiges Gemüse liefert Beta-Carotin, das die Vögel zu Vitamin A umwandeln. Auch Antioxidantien, Polyphenole und Bitterstoffe aus Wildkräutern stützen die Lebergesundheit und das Immunsystem.
Erkennungsmerkmale
Geeignete Sorten sind Möhre, Salatgurke, Paprika in allen Farben, Brokkoli, Blumenkohl, Chicorée, Romanasalat, Eisbergsalat in kleinen Mengen, Zucchini, Pastinake, Endivie, Mangold, gekochte Süßkartoffel sowie Kürbisfleisch. Bei Obst eignen sich Apfel ohne Kerngehäuse, Birne, Banane, Beeren, Weintraube, Melone und Kiwi. Wildkräuter wie Vogelmiere, Löwenzahn vor der Blüte, Spitzwegerich, Hirtentäschel, Gänseblümchen, Schafgarbe und Petersilie sind besonders wertvoll, da sie auch Mineralstoffe und Bitterstoffe enthalten. Keimlinge aus Hirse, Mungbohnen, Linsen oder Kresse liefern zusätzliche Vitamine und Enzyme und sind besonders im Winter eine wichtige Frischkostquelle, wenn keine Wildkräuter verfügbar sind.
Praxis-Tipps
- Tabu sind Avocado (hochgiftig), Zwiebel, Knoblauch, Lauch, rohe Kartoffel, rohe Hülsenfrüchte, Aubergine, grüne Tomate, Rhabarber sowie Schokolade, Alkohol und Koffein
- Steinobstkerne und Apfelkerne entfernen, da sie Blausäure freisetzen können
- Frischkost vor dem Anbieten gründlich waschen, Pestizidrückstände vermeiden, möglichst Bio-Qualität wählen
- In mundgerechte Stücke schneiden, an Klammern befestigen oder im Frischkostnapf reichen
- Reste nach spätestens zwei bis vier Stunden entfernen, sonst droht Schimmelbildung und Bakterienwachstum
- Langsam einführen, neue Sorten in kleinen Mengen und mehrfach anbieten, manche Wellensittiche brauchen Wochen bis sie eine neue Sorte akzeptieren
- Im Sommer Wildkräuter aus pestizidfreien Wiesen sammeln, im Winter Sprossen ziehen oder Bio-Pellets ergänzen
- Frischkost vorzugsweise morgens anbieten, wenn die Vögel hungrig und besonders neugierig sind
Manche Wellensittiche verweigern Frischkost zunächst, besonders wenn sie nur Körner kennen. Hier hilft Geduld: die neue Kost mehrmals täglich in geringen Portionen anbieten, mit Hirse mischen, am Gitter befestigen oder beim Partnervogel beobachten lassen. Junge Vögel akzeptieren neues Futter schneller als alte. Es kann mehrere Wochen dauern, bis Skeptiker zugreifen. Frischkost darf gekühlt sein, sollte aber nicht eiskalt aus dem Kühlschrank kommen. Gefrorenes Gemüse erst auftauen lassen und auf Zimmertemperatur bringen. Gekochtes Gemüse ist möglich, sollte aber ungesalzen und ungewürzt sein. Eine ausgewogene Mischung aus zwei bis drei Gemüsesorten und einer Obstsorte pro Tag deckt den Vitamin- und Mineralstoffbedarf zuverlässig ab und ergänzt die Körnerration optimal. Wer regelmäßig variiert, vermeidet einseitige Vorlieben und stärkt das Immunsystem der Vögel. Saisonal verfügbares heimisches Obst und Gemüse ist meist günstiger und enthält weniger Pestizidrückstände als importierte Ware.