Ernährung · Spezialfutter

Aufzuchtfutter für Küken

Was Elterntiere brauchen, um Küken gesund großzuziehen

Eckdaten

Preisrahmen
4 – 18
Kategorie
spezialfutter
Fütterung
nur zucht

Überblick

Aufzuchtfutter ist eine eiweiß-, vitamin- und mineralstoffreiche Spezialnahrung, die Elterntiere während der Brut- und Aufzuchtphase zusätzlich zur normalen Körnermischung erhalten. Ohne diese Ergänzung können die Altvögel die hohen Nährstoffanforderungen ihrer Küken nicht decken, was zu Mangelerscheinungen, Federdefekten und schwachen Jungvögeln führt. Anders als ein normaler Snack ist Aufzuchtfutter eine kalkulierte Nährstoffbombe, die nur in einem schmalen Zeitfenster sinnvoll ist und außerhalb dieser Phase mehr schadet als nützt.

Was Aufzuchtfutter ist

Aufzuchtfutter ist im Kern ein angereicherter Eiweißbrei oder ein eihaltiges Krümelfutter. Klassische Mischungen bestehen aus gemahlenem Zwieback, getrockneten Eiprodukten, Honig, Karottenpulver, Mineralstoffen und Vitaminen, oft ergänzt um Mikroalgen, Bierhefe oder Magermilchpulver. Der Eiweißanteil liegt bei etwa 18 bis 22 Prozent, deutlich höher als die zwölf bis vierzehn Prozent einer normalen Körnermischung. Der Fettanteil bewegt sich zwischen sechs und neun Prozent, der Kalziumgehalt zwischen 0,9 und 1,4 Prozent. Hinzu kommen Vitamin A, D3 und E sowie Lysin und Methionin, also die für Federbildung kritischen Aminosäuren. Einige Hersteller bieten zusätzlich gekeimte oder gepuffte Saaten an, die die Akzeptanz erhöhen. In Profizuchten werden oft auch eigene Mischungen aus gekochtem Ei, geriebener Karotte, Zwieback und Mineralpulver verwendet, die der Halter selbst täglich frisch zubereitet.

Rolle in der Wellensittich-Ernährung

Wellensittiche sind in der freien Wildbahn opportunistische Brüter: sobald nach einem Regen frische Sämereien und Grünpflanzen verfügbar sind, beginnen Hennen zu legen. In dieser Phase steigt der Eiweißbedarf der Altvögel auf das Zwei- bis Dreifache. Hennen brauchen Kalzium für die Eischalenbildung, Hähne füttern den Kropfinhalt an die Henne weiter und müssen sich selbst regenerieren. Sobald die Küken geschlüpft sind, geben beide Eltern eine vorverdaute Kropfmilch ab, deren Zusammensetzung sich an die wachsenden Bedürfnisse anpasst. Ohne ein eiweißreiches Zusatzfutter degeneriert die Eischale, Embryonen sterben in der Schale, Küken bleiben im Wachstum zurück oder zeigen sogenannte French-Moult-Symptome mit verkümmerten Schwingen. Erfahrene Züchter sehen den Erfolg einer Brut bereits am Wachstumstempo der Küken zwischen Tag 7 und Tag 14: gut versorgte Küken verdoppeln in dieser Phase ihr Gewicht, schlecht versorgte stagnieren oder verlieren.

Sorten und Qualitätsmerkmale

Im deutschen Fachhandel etabliert sind Versele-Laga Orlux Eifutter trocken oder feucht, Quiko Classic, Quiko Special, JR Farm Eifutter, Vitakraft Eifutter Premium und Witte Molen Eifutter. Versele-Laga Orlux ist bei vielen Züchtern Standard und wird trocken oder mit lauwarmem Wasser leicht angefeuchtet gereicht. Quiko Special enthält zusätzlich Korvimin- und Mineralstoffergänzungen und ist nährstoffdichter, dafür auch teurer. JR Farm und Vitakraft sind günstiger und im Zoofachhandel breit verfügbar. Wer höchste Qualität sucht, greift zu BLATTNER Eifutter, das in der Vogelszene als Premiumprodukt gilt. Achten Sie auf eine Mindestrohproteinangabe über 18 Prozent, einen klaren Vitaminzusatz und ein nahes Mindesthaltbarkeitsdatum, da Vitamine schnell oxidieren. Selbstgemachtes Aufzuchtfutter aus geriebenem hartgekochtem Ei, Zwieback, geriebener Karotte und einer Prise Korvimin ist eine bewährte Alternative und wird von vielen erfahrenen Züchtern dem industriellen Produkt vorgezogen, weil die Frische und der Vitamingehalt höher sind.

Häufige Missverständnisse

Aufzuchtfutter ist kein Ersatzfutter für die Henne allein, sondern ein gemeinsam genutztes Zusatzfutter für Henne und Hahn. Es ist auch kein Mastfutter für Küken: junge Wellensittiche werden vom Hahn aus dem Kropf gefüttert und brauchen kein gesondertes Schälchen am Boden. Wer Aufzuchtfutter außerhalb der Brutzeit dauerhaft anbietet, riskiert Verfettung der Leber und hormonelle Stimulation, die Dauerbrut auslösen kann. Aufzuchtfutter ist eindeutig saisonales Spezialfutter, kein tägliches Grundnahrungsmittel. Ein weiterer Irrtum: viele Anfänger glauben, je mehr Aufzuchtfutter, desto besser die Brut. Tatsächlich brauchen die Vögel nur kleine, regelmäßige Portionen über mehrere Stunden verteilt, weil Überangebot zu schnellem Verderb und zu Hormonstimulation führt. Auch die Annahme, Aufzuchtfutter könne die Körnermischung komplett ersetzen, ist falsch: es ergänzt sie ausschließlich, niemals als alleinige Nahrung. Manche Halter vermuten, eine bereits brütende Henne benötige keine zusätzliche Versorgung mehr, weil sie ja "fertig sei mit der Eiablage". Tatsächlich beginnt mit dem Schlupf der Küken die nährstoffintensivste Phase überhaupt: über zwei bis drei Wochen werden alle Küken mehrmals täglich aus dem Kropf gefüttert, und der Energiebedarf der Eltern steigt auf den Höhepunkt der gesamten Brut. Wer hier sparsam ist, riskiert ausgehungerte oder gar tote Küken.

Vorteile & Nährwert

Aufzuchtfutter liefert in der kritischen Brut- und Aufzuchtphase genau die Nährstoffe, an denen eine reine Körnerkost scheitern würde. Der hohe Eiweißanteil von 18 bis 22 Prozent versorgt die Henne mit den Bausteinen für Eischale, Eiklar und Embryonalentwicklung. Lysin und Methionin als limitierende Aminosäuren ermöglichen ein normales Federwachstum bei den Küken und beugen French Moult vor, einer Federentwicklungsstörung mit verkürzten Schwung- und Schwanzfedern, die unbehandelte Tiere flugunfähig macht.

Der erhöhte Kalziumgehalt von rund 1,2 Prozent stabilisiert die Eischale und verhindert Legenot durch weichschalige Eier. Vitamin D3 sorgt dafür, dass das Kalzium auch tatsächlich verwertet wird; ohne D3 bleibt es im Darm und wird ausgeschieden. Vitamin A unterstützt Schleimhäute, Augen und Immunsystem und ist in normalen Mischungen meist unterdosiert. Vitamin E wirkt antioxidativ und ist für die Fruchtbarkeit beider Geschlechter essentiell. B-Vitamine, vor allem Riboflavin und Folsäure, sind für die Embryonalentwicklung unverzichtbar.

  • Stabile Eischalen und reduziertes Legenot-Risiko durch zusätzliches Kalzium und Vitamin D3
  • Vollständige Federentwicklung der Küken durch ausreichend Lysin und Methionin
  • Höhere Schlupfquote dank optimal versorgter Embryonen
  • Bessere Kondition der Henne nach mehreren Bruten in Folge
  • Schnelleres Nachwachsen verlorener Federn beim Hahn nach intensiver Fütterungsphase
  • Reduzierte Sterblichkeit der Küken in den ersten zehn Lebenstagen
  • Bessere Aufzuchtgewichte und kräftigere Flugmuskulatur bei den Jungvögeln
  • Geringere Anfälligkeit für bakterielle Infektionen im Nest durch Vitamin-A-bedingt stabile Schleimhäute
  • Ausgeglichener Mineralstoffhaushalt von Eltern und Küken in der gesamten Aufzuchtphase

In Mauserphasen außerhalb der Brut kann Aufzuchtfutter in deutlich kleineren Mengen ebenfalls helfen, denn auch die Mauser ist eiweißintensiv. Hier reicht jedoch oft normales Eifutter ohne den vollen Vitamin- und Mineralcocktail. Studien an europäischen Züchterverbänden zeigen, dass Bruten mit Aufzuchtfutter eine um 15 bis 25 Prozent höhere Überlebensrate der Küken aufweisen als Bruten mit reiner Körnermischung. Auch die Wurfgröße ist mit Aufzuchtfutter im Schnitt um ein bis zwei Küken pro Gelege höher, weil Henne und Hahn ausreichend Reserven für mehrere Bruten in Folge haben. Damit ist Aufzuchtfutter kein Luxus, sondern in der Brutphase ein hartes Qualitätskriterium für verantwortungsvolle Zucht.

Fütterungs-Tipps

Aufzuchtfutter wird ausschließlich während der aktiven Brut- und Aufzuchtphase gereicht, beginnend etwa zwei Wochen vor der erwarteten Eiablage und endend, sobald die Jungvögel selbständig fressen, in der Regel etwa zwei Wochen nach dem Ausflug. Ein typischer Gesamtzeitraum sind acht bis zwölf Wochen pro Brut. Wer einmal Aufzuchtfutter anbietet, bleibt während der gesamten Brutphase dabei und schleicht es zum Ende hin innerhalb von zwei Wochen langsam aus.

Die Menge richtet sich nach der Anzahl der zu fütternden Vögel. Für ein Brutpaar mit vier bis sechs Küken rechnet man mit etwa einem gehäuften Esslöffel Aufzuchtfutter pro Tag, verteilt auf zwei Portionen. Die erste Portion morgens, die zweite am späten Nachmittag. Trockenes Eifutter wie Versele-Laga Orlux kann pur in einem flachen Napf angeboten werden. Feuchtes Eifutter wird mit etwas lauwarmem Wasser zu einer krümeligen, nicht klebrigen Masse angerührt. Manche Züchter mischen zusätzlich geriebene Karotte, gequetschte Hirse oder zerdrückte gekeimte Saaten unter, um Akzeptanz und Vitamingehalt zu erhöhen. Die ideale Konsistenz ist krümelig-feucht: drückt man eine kleine Menge zusammen, sollte sie kurz haften und dann auseinanderfallen.

Empfehlenswerte Marken sind Versele-Laga Orlux Eifutter, Quiko Special, Quiko Classic, JR Farm Eifutter, Vitakraft Eifutter Premium, Witte Molen Eifutter und BLATTNER Eifutter. Die Preisspanne reicht von etwa 4 bis 6 Euro pro 500 Gramm bei Vitakraft und JR Farm bis zu 12 bis 18 Euro pro Kilogramm bei BLATTNER oder Versele-Laga in Großgebinden. Für ein Brutpaar mit einer Brut von zwei Monaten reicht eine 500-Gramm-Packung in der Regel aus.

Bei der Vorbereitung gilt: nur so viel anrühren, wie innerhalb von zwei bis drei Stunden gefressen wird. Feuchtes Eifutter verdirbt bei Zimmertemperatur sehr schnell und ist nach vier Stunden ein Schimmelnährboden. Reste konsequent entfernen, den Napf täglich mit heißem Wasser ausspülen und einmal pro Woche gründlich mit Spülmittel reinigen. Trockenes Eifutter ist im Originalbeutel kühl und trocken gelagert mindestens sechs Monate haltbar, einmal geöffnet sollte es innerhalb von acht Wochen aufgebraucht werden, sonst verlieren Vitamine deutlich an Wirksamkeit. Selbstgemachtes Aufzuchtfutter aus hartgekochtem Ei, Zwieback und Karotte hält im Kühlschrank maximal 24 Stunden und sollte stets frisch zubereitet werden, idealerweise zwei Mal täglich. Beim Anbieten möglichst flache Schalen verwenden, damit auch die Küken nach dem Ausflug leicht zugreifen können.

Warnungen

Aufzuchtfutter ist hochkalorisch und reich an Eiweiß sowie Hormonstimulatoren. Wer es außerhalb der Brutphase dauerhaft anbietet, riskiert ernste Folgeschäden bei den Vögeln. Die wichtigste Regel lautet: Aufzuchtfutter ist Saisonfutter, kein Grundnahrungsmittel. Bei Einzelhaltung ohne Brutpaar ist es schlicht überflüssig und kontraproduktiv.

Bei Dauergabe entwickeln Wellensittiche eine fettige Leberdegeneration, die nicht mehr rückgängig zu machen ist. Hennen können in Dauerbrut verfallen, also kontinuierlich Eier legen, was sie auszehrt und die Lebenserwartung halbiert. Die Hormonstimulation durch das proteinreiche Futter täuscht den Vögeln ständigen Brutsommer vor.

  • Feuchtes Eifutter wird bei Zimmertemperatur sehr schnell von Schimmelpilzen besiedelt; Aspergillose, eine Pilzinfektion der Atemwege, ist die häufigste Folge
  • Reste niemals länger als drei bis vier Stunden im Käfig lassen, im Sommer maximal zwei Stunden
  • Eifutter mit erkennbarem Schimmel, säuerlichem Geruch oder Verfärbung niemals verfüttern, auch wenn nur eine Ecke betroffen scheint
  • Selbstgemachtes Eifutter aus rohem Ei vermeiden, Salmonellengefahr; immer hartgekochtes Ei mindestens zehn Minuten gekocht verwenden
  • Marken aus dem Drogerie- oder Discounter-Bereich mit ungeklärter Herkunft meiden, sie können Schwermetallrückstände enthalten
  • Bei Einzelvögeln ohne Brutpartner kein Aufzuchtfutter geben, da der Eiweißüberschuss nur Verfettung fördert
  • Tiere mit bestehender Leberbelastung oder Verfettung von Aufzuchtfutter strikt ausschließen

Häufige Halterfehler sind die ganzjährige Gabe als vermeintlicher Snack, das Anbieten in zu großen Portionen oder die Gabe an Jungvögel als angebliche Wachstumshilfe nach dem Ausflug. Sobald die Jungvögel selbständig Körner aufnehmen, wird das Aufzuchtfutter schrittweise innerhalb von zwei Wochen ausgeschlichen und durch normale Körnermischung mit Frischkost ersetzt. Eine versehentliche Brutstimulation lässt sich nur schwer wieder einfangen, deshalb gilt: lieber zu kurz als zu lang füttern. Bei wiederkehrender Dauerbrut ist Aufzuchtfutter ein klares Tabu, hier muss die gesamte Ernährung auf magere Körnermischung und Frischkost reduziert werden, um den Hormonzyklus zu unterbrechen.

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